Die unterirdischen Produktionsanlagen waren Bunker mit 9 bis 15 Meter dicken Mauern. Die SS sorgte für die Zwangsarbeiter, die anfänglich aus dem KZ Dachau gebracht wurden. Die SS errichtete aber meistens Lager in der Nähe von Fabrikanlagen. Das geschah auch in der Nähe des BMW-Werks Allach. Hier wurde unter Mitwirkung der BMW AG - Beweise hierfür findet man im Stadtarchiv München - ab 1942 ein Außenlager des KZ Dachau errichtet. Dieses Lager war durch eine Brücke über das durch die BMW verlegte Schwabenbächl, einen Stacheldrahtkorridor und eine Holzbrücke über die Dachauerstraße mit dem BMW-Werk verbunden. Die Häftlinge wurden durch diesen Stacheldrahtkorridor zu ihren Arbeitsplätzen getrieben. Auf dem Gelände der BMW Flugmotorenbau GmbH gab es auch ein kleines Gefängnis. Der Bau der unterirdischen Fabrikanlagen ist niemals fertig geworden. Von den ungefähr 30 Unterkunftbaracken im 1944 um das OT-Lager Karlsfeld erweiterten KZ Allach waren 18 umgebaute, stark verschmutzte Pferdeställe. Auch nach dem Umbau blieben sie primitive Unterkünfte.

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Lager Allach 1bb kleinIm Stadtarchiv München sind Anträge und Pläne der BMW AG bis aus dem Jahr 1942 für den Bau einer Kanalisation im KZ-Außenlager Allach – anfangs auch als Russenlager, der BMW gehörig, bezeichnet - zu finden. An diese Kanalisation wurden allerdings nicht die Unterkunftbaracken der Häftlinge, sondern eigene WC- und Sanitär- sowie die Wirtschaftsbaracken und die Baracken der SS-Wachmannschaften angeschlossen. So entstand der größten Außenkommando der ungefähr 180 Außenlager des KZs Dachau. Am 19 März 1943 wurde das Lager in Betrieb genommen. Der Lagerkomplex wurde 1944 um das OT-Lager Karlsfeld erweitert. Dabei wurde auch eine steinerne WC- und Sanitärbaracke gebaut. Diese Baracke ist nun die letzte übriggebliebene Baracke und eines der wenigen Überreste des KZs Allach-Karlsfeld.

Lager Allach2
 

Die Zwangsarbeiter, 4000 bis 5000 Personen, waren größtenteils beim Bau oder in den Fabrikanlagen bei BMW beschäftigt. In den Fabrikanlagen wurden Flugzeugmotoren für Junkers-Verkehrsflugzeuge und Militär-

flugzeuge produziert. In Allach wurden in 1945 auch Raketentriebwerke gebaut.
Die SS-Standortverwaltung erhielt ungefähr6 RM pro Tag für einen Zwangsarbeiter von BMW. Das war ungefähr die Hälfte von dem normalen Lohn eines Arbeitnehmers. Hiervon wurden 0.30 RM für das Mittagessen (1 Liter Suppe) abgezogen. Um 9 Uhr gab es anfangs 150 Gramm Brot, gegen Kriegsende 65 Gramm. Das Abendessen im Lager bestand aus 1 Liter Suppe und 200 Gramm Brot. Andere „Arbeitgeber“ der Zwangsarbeiter waren die Baufirma Dyckerhoff und die Organisation Todt.

 

 

Lager Allach 3
Allach Juni 1945:
1. Lager Allach 4. Lager ausländische
2. Karlsfeld Zwangsarbeiter
3. BMW-fabrik 5. Straflager für SSers

Die Abmessungen des KZ-Geländes betrugen etwa 300 mal

300 Meter. Das Lager war für etwa 6000 Gefangene gedacht,

es befanden sich dort aber zeitweise bis zu 22000 ausgemergelte Menschen! Von den gewöhnlicherweise etwa 5000 KZ-Häftlingenhatten ungefähr 2500 Gefangene die französisch Nationalität. Weiter waren dort vor allem deutsche, polnische , sowjetische, tschechische, belgische, nieder ländische und jugoslawische Gefangenen, Gefangenen aus insgesamt 23 Nationen. Der größte Teil der Gefangene waren männliche, politische Häftlinge, aber auch viele Kriegsgefangene. Es gab relativ wenige jüdische Häftlinge. Die Arbeitszeiten bei BMW waren von 6.00 Uhr bis 12.00 Uhr und am Nachmittag von 13.00 Uhr bis 18.30 Uhr. Die Gefangenen standen gewöhnlich um 4.00 Uhr auf, um 5.15 Uhr war Morgenappell. Im Winter wurden die Gefangenen um 5.00 Uhr geweckt. Um 21.30 Uhr ging das Licht in den Baracken aus. In den Baracken wimmelte es von Läusen. Die Gefangenen wurden mindestens jeden Sonntag entlaust.

Die Bewachung des Lagers lag in den Händen von ungefähr 800 SS-lern der “Totenkopf”-Einheit. Die Mehrheit der SS-ler waren Deutsche. Es gab aber auch SS-ler ungarischer, rumänischer und kroatischer Nationalität. Der Lagerkommandant war SS-Obersturmführer Josef Jarolin und sein Stellvertreter war SS-Hauptscharführer Sebastian Eberl. Jarolin wurde mit weiteren 35 Kriegsverbrechern im Dachauer Hauptprozess im Dezember 1945 zum Tode verurteilt. In Mai 1946 wurde das Urteil vollstreckt. Eberl entkam der Bestrafung, weil er vorgab, in der Kriegszeit an MS gelitten zu haben. Es gab mehrere Ermittlungsverfahren gegen Eberl, sie wurden aber alle eingestellt. Die Ermittlungen führten zu vielen Zeugenaussagen, die aufgenommen wurden und im Staatsarchiv München aufbewahrt werden. Eberl wurde für seine Greueltaten niemals verurteilt und starb 1982. Auf einem von Hand gezeichneten Plan des Lagers ist der Standort eines festen Galgens markiert. Auf dem Appellplatz wurde auch immer wieder ein mobiler Galgen aufgestellt, der aus dem KZ Dachau gebracht wurde. Das ergibt sich aus den Dokumenten und Zeichnungen, die im Staatsarchiv München eingesehen werden können.

 

Lager Allach 4 Lager Allach 5

 Am Morgen des 30. April 1945 wurden ungefähr 10000 Gefangenen, unter ihnen ungefähr 1000 Frauen, durch die 42. Rainbow-Division der 7. US-Armee befreit. Weil im Lager übertragbare Krankheiten herrschten, verhängten die Amerikaner eine Quarantäne. Erst ab Ende Mai durften die meisten Gefangenen wieder nach Hause.

 

Lager Allach 6Auf dem KZ-Gelände ist die Steinbaracke eines der wenigen Überreste aus der Nazizeit. Zwei Gedenktafeln sind dort 1997 angebracht worden. Die eine Tafel hat einen deutschen Text und die andere Tafel einen französischen Text. Es ist die einzige Stelle, an der man noch den Namen Allach findet.

Von den Holzbaracken ist nichts mehr übrig. Das Fundament von Block 5 ist nun eine Rollerskatebahn, und auf einem anderen Fundament steht die Bürobaracke einer Firma. Im Block 5 waren auch viele niederländische Gefangenen.

 

 
Lager Allach 8 Lager Allach 7
 
 69133 Herman Breen NL

Das KZ Allach ist buchstäblich und figürlich vom Erdboden verschwunden. Selbst auf der Website der Gedenkstätte Dachau werden Kaufering und Mühldorf genannt, aber kein Wort von Allach! Wir müssen mit Respekt umgehen mit dem, was im KZ-Außenlager Allach geschehen ist. Nie wieder diese Greueltaten.  An der Stelle des Lagers ist eine „DP-Siedlung“ für ungefähr 3200 Personen aus über 20 Nationalitäten gebaut worden. Im Buch „Ende und Anfang“ (Sokola 2005, ISBN 3-9331231-15-1) wurde auf sehr sachkundige Weise die Geschichte beschrieben: das Verschwinden des KZs Allach und das Entstehen der Siedlung München-Ludwigsfeld. Als Projektgruppe Allach des Comité International de Dachau wollen wir versuchen, die wenigen Überreste, die dort noch vorhanden sind, zu erhalten. Die Ausstellung über das KZ Allach/die Siedlung Ludwigsfeld könnte vielleicht in der Steinbaracke oder daneben untergebracht werden.

Projektgruppe Allach, Pieter Breen.

Die Projektgruppe Allach der CID besteht aus Benoît Darmont (B), Christl und Peter Willmitzer (D) und Pieter Breen (NL). Mit sehr vielen Dank an Dr. Sylvie Graffard (F), Carla Prescott (GB) und Ewgenij Repnikov M.A. (D). April 2014.

 Quelle Foto’s:  Amicale des Anciens de Dachau, -BMW Group Archiv, Landesvermessungsamt Bayern, – P.H. Breen.