Sehr verehrte Anwesende,

 

im Namen des Internationalen Dachau Komitees und der Lagergemeinschaft Dachau möchte ich Sie herzlich willkommen heißen. Ich begrüße Herrn Staatssekretär Georg Eisenreich als Vertreter der Bayrischen Staatsregierung, die Damen und Herren der diplomatischen Vertretungen, der Kommunen und des Land­kreises, der Religionsgemeinschaften, der Parteien und Organisationen, die Kameradinnen und Kameraden, ganz besonders die Überlebenden aus verschiedenen Ländern.

 

Jedes Jahr um diese Zeit erinnern wir uns an den 29. 4. 1945 als die Einheit der Rainbow Division das Lager von der Naziherrschaft, von Unterdrückung, Hunger und Tod befreite. Wir gedenken der 41 500 ermordeten Opfer, die dieses un­menschliche System forderte. Mit uns ehem. Dachau Häftlingen sind Verwandte, Freunde und treue Begleiter des Gedenkens gekommen, denen dieser Jahrestag genauso wichtig geworden ist wie uns.

 Auch wenn dieser Tag in engster Verbindung zur Befreiung 1945 steht, so können wir de gegenwärtige Zeit, die Situation unserer heutigen Welt, nicht ganz ausklammern. Nach meiner Meinung hat Damals und Heute immer etwas miteinander zu tun.

Tagtäglich sehen wir in den Medien neue Schreckensbilder aus den verschiedenen Krisen und Kriegsgebieten.Kein Krisenherd ist mehr weit genug entfernt als dass er uns nicht berühren und in Angst und Sorge versetzen könnte. Diese Nachrichten beeinflussen auch unser Denken und unser Handeln.

Das Kräftespiel der Mächtigen setzt sich fort bis in unsere Gesellschaft. Politiker, die sich zum Maß aller Dinge machen, haben das Bewusstsein für die Realität verloren. Ein solcher Verlust ist schwerwiegend, denn es ist das Fehlen jeglicher Verantwortung.

4 mai dachau 8398Ist das unsere Welt – eine befreite Welt?
 Welche Bedeutung haben noch menschliche Werte wie Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit, Freiheit?
Rechtsextreme Gewalttaten nehmen einen immer breiteren, ja fast selbstver­ständlichen Raum in unserer Gesellschaft ein. Der Mensch, das Leben, wird mit Füßen getreten, es ist anscheinend nichts mehr wert.
Und doch gibt es Menschen, die sich engagieren, ihre ohnmächtige Wut nicht aggressiv, sondern in friedlicher Gegenwehr zeigen. Dafür können wir dankbar sein, gerade dann, wenn wir selbst nichts tun können.
Weil es in all den politischen, finanziellen und sonstig globalen - wie wir es heute nennen – Zusammenhängen solche Menschen gibt, die um der Wahrheit, um des Menschen, um des Lebens willen nicht an ihren eigenen Vorteil denken und mutig für das Recht eintreten, deshalb haben wir keinen Grund zu verzweifeln.
Nur in dieser Haltung können Traditionen, Kulturen und Religionen zu einem normalen Miteinander wachsen.
mai 4 dachau 8416

Liebe Anwesende, Ihr Kommen, Ihre Teilname an diesem Gedenktag nehme ich als Bekenntnis, dass auch Sie für eine gerechte und humane Gesellschaft eintreten wollen.

Dafür danke ich Ihnen.