Jean michel Albert1273Freitag 18. März, hat Das Internationale Dachau Komitee, im Rathaus Dachau, den General André Delpech-Preis an Albert Knoll, Archivleiter der KZ-Gedenkstätte vergeben. In einer Zeremonie im Rathaus Dachau, CID-Präsident Jean-Michel Thomas erklärte, warum dieser Award gegeben wurde:

 " Das Internationale Dachau Komitee kennt Sie nun schon seit fast 20 Jahren und hat nicht eine solche Auszeichnung gewartet, um Sie schätzen zu lernen. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen das „Totenbuch“ auszuarbeiten und Ihre Arbeiten sind zu einer verlässlichen Informationsquelle über die 220.000 Gefangenen geworden, die während 13 Jahren in Dachau angekommen sind, sowie über die Gründe der Naziverfolgung, die sie erdulden mussten.
Ganz besonders möchte ich ihre langjährige Zusammenarbeit mit Stan Zamecnik hervorheben, den Sie für seine Veröffentlichung über die Geschichte des Lagers begleitet haben, insbesondere bezüglich der Recherchen über die Anzahl der Toten. Das war eine Riesenarbeit.
Sie führen Ihre Arbeit mit solch einer außergewöhnlichen Dynamik und anhaltendem Enthusiasmus aus, die im Gegensatz stehen zu der schmerzhaften und tragischen Seite der Dokumente, über die Sie recherchieren. Ihr stetes Lächeln, Ihre besondere Freundlichkeit und die Art und Weise, wie Sie den Familien der Gefangenen zur Verfügung stehen, sind niemandem entgangen. Letztere begleiten Sie und helfen Ihnen Informationen zu erhalten über den Verlauf der Gefangenschaft oder über Fragen im Zusammenhang der Deportation.
Dies alles sind Gründe, weshalb das Internationale Dachau Komitee Sie ausgewählt hat, um Sie mit dem Preis des General André Delpech auszuzeichnen. Dieser Preis wird nur wenigen Persönlichkeiten verliehen, um ihre Verdienste und Leistungen für das Gedenken an das Konzentrationslager Dachau zu würdigen. Sie stehen im Zentrum dieser Erinnerung und erfüllen hervorragend die festgelegten Kriterien für diesen angesehenen Preis."

 

Albert knoll und mutterIn seinem Dankwort erwähnt Knoll ein wichtiges persönliches Motiv für seine Arbeit in der Gedenkstätte:  "Ich möchte diese Ehrung aber auch nicht im Allgemeinen und Unpersönlichen stehen lassen. Ich weiß, es ist eine Ehrung, die nun mal meiner Person zukommen soll, und das veranlasst mich, eine Geschichte zu erzählen. Es ist eine Geschichte, die einen der Wege aufzeigt, die mich zur Gedenkstätte geführt haben. Diese Geschichte hat mit meiner Mutter zu tun, die heute hochbetagt hier im Publikum sitzt und heute zum ersten Mal auf meine Einladung nach Dachau gekommen ist.
Sie war es, die zu Anfang des Jahres 1942 als zwölfjähriges Mädchen, als Angehörige der deutschen Minderheit, die Ermordung der Juden ihres Heimatortes Novi Sad in Serbien miterleben musste. 1942, als die Tötungsmaschinerie der Nazis auf Hochtouren lief, als Tausende Dachauer Häftlinge in der Tötungsanstalt Schloss Hartheim vergast wurden, als die Austreibung der Juden nicht mehr von einer begeisterten Menge der Zuschauer beklatscht wurde, sondern die Anwohner rüde aufgefordert wurden, in ihren Häusern zu bleiben und am nächsten Tag so zu tun, als ob es nie Juden in ihrem Ort gegeben hätte, in diesem Jahr 1942 versteckte sie sich - als zwölfjähriges Mädchen - aus Angst hinter den Fensterläden und lugte gleichzeitig aus jugendlicher Neugier aus einem Spalt, zählte die Körper, die unmittelbar am Haus ihrer Eltern am Stadtrand vorbeigetrieben wurden und zählte die Schüsse, die gleich danach am Ufer der Donau zu hören waren. Es war dieselbe Zahl. Ein kleines Detail des Holocaust direkt vor dem Haus meiner Großeltern. Die Leichen der Frauen, Männer und Kinder wurden im Fluss versenkt, die ehemaligen Nachbarn und Spielkameraden meiner Mutter waren verschwunden. Heute steht dort ein Mahnmal.
Warum erzähle ich diese Geschichte?
Die Geschichte vom Massenmord an den Juden der Vojvodina ist durch meine Mutter in die Erzähltradition unserer Familie eingedrungen, sie fand Platz zwischen all den Geschichten von Bombardements und Partisanengefahr, von Flucht und gefälschten Ausweispapieren, die meiner Familie die Einreise in das Deutsche Reich erst möglich machten und vom schwierigem Neubeginn in Bayern. Als sehr junger Mensch begann ich mich zu fragen, ob nicht das eine mit dem anderen zusammenhängen würde: Die Tötung der Juden durch die ungarischen Parteigänger der Nationalsozialisten und wenige Jahre später die Vertreibung der Deutschen aus Jugoslawien, wo sie viele Generationen gelebt hatten. Aus einem nebulösen Gefühl wurde später die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem NS-Staat, mit Unrecht, mit dem Umgang mit Minderheiten, mit dem neuen Rechtsradikalismus. Aus dem privaten Engagement wurde nach dem Studium der Geschichte und der Ausbildung zum Archivar schließlich eine feste Anstellung bei der Gedenkstätte.
Ich greife es nochmal auf: den Überlebenden haben wir versprochen, dass wir ihr Angedenken ehren und ihre Botschaft für Frieden, Demokratie, Menschlichkeit und eine humanere Welt weitertragen werden. Das sollte für uns alle ein Ziel sein."

 

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