Homosexuelle Häftlinge im Konzentrationslager Dachau

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Homosexuelle Häftlinge im Konzentrationslager Dachau 

Am 30. Juli 2017 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz „Ehe für alle“, mit dem die gesetzliche Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare endgültig abgeschafft wurde. Es bildet den Schlusspunkt einer Diskriminierungs- und Verfolgungsgeschichte die im Jahr 1871...

Homosexuelle Häftlinge im Konzentrationslager Dachau

Bundesarchiv Bild 146 1993 051 07 Tafel mit KZ Kennzeichen Winkelteil 

Am 30. Juli 2017 verabschiedete der Deutsche Bundestag das Gesetz „Ehe für alle“, mit dem die gesetzliche Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare endgültig abgeschafft wurde. Es bildet den Schlusspunkt einer Diskriminierungs- und Verfolgungsgeschichte die im Jahr 1871 mit der Einführung eines Gesetzes begann, das Homosexualität unter Strafe stellte und das mit der Verfolgung und Ermordung homosexueller Männer in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur einen schrecklichen Höhepunkt erreichte. Im Jahr 1935 wurde das Gesetz verschärft und 1936 entstand die „Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung“, die sich im Besonderen der Verfolgung homosexueller Männer widmete. Nach Massenverhaftungen und Verurteilungen wurden etwa 5000 bis 15000 homosexuelle Männer in nationalsozialistische Konzentrationslager verschleppt, wo ein großer Teil von ihnen – Schätzungen gehe von 53 Prozent aus - zu Tode kam.
In der Gesamtgeschichte des Konzentrationslagers Dachau bildeten die etwa 800 homosexuellen Häftlinge deutscher und österreichischer Nationalität nur eine kleine Gruppe unter den rund 200000 Häftlingen. 595 können namentlich nachgewiesen werden. Wie in den anderen Konzentrationslagern waren sie jedoch von Anfang an dem besonderen Hass der SS-Bewacher ausgesetzt. Sie wurden erniedrigt, gequält und schikaniert und oftmals in besonders schweren Arbeitskommandos geschunden. Ab dem Jahr 1938 wurden sie mit einem rosa Stoffdreieck an der Häftlingskleidung, dem „rosa Winkel“ gekennzeichnet. Zumeist wurden sie auch von den anderen Häftlingen geächtet. Wie viele Häftlinge mit dem rosa Winkel im KZ Dachau für Sterilisationen und Kastrationen ausgewählt wurden ist nicht bekannt. Zum Zeitpunkt der Befreiung waren 143 homosexuelle Häftlinge in Dachau und seinen Außenlagern registriert, 103 Todesfälle sind nachweisbar.

Die Überlebenden der wegen Homosexualität Verfolgten waren nach dem Krieg weiterhin kriminalisiert und gesellschaftlich ausgegrenzt. Sie wurden weder als Verfolgte anerkannt noch hatten sie Anspruch auf Entschädigung für erlittenes Unrecht. Es dauerte ein halbes Jahrhundert bis im Jahr 1995 das Gesetz mit dem Homosexualität unter Strafe gestellt wurde, endgültig verschwunden war. Und es waren auch nicht die Überlebenden selbst, sondern Homosexuelle nachfolgender Generationen, die sich zu Beginn der 1980er Jahre öffentlich zu Wort meldeten. Sie forderten die Erforschung der Verfolgungsgeschichte und die Einbeziehung dieser Opfergruppe in Ausstellungen und Vermittlungsarbeit der Gedenkstätten.Totgeschlagen Totgeschwiegen Aber nicht nur die Mehrheitsgesellschaft tat sich lange Zeit schwer mit der Anerkennung der Verfolgtengruppe der Homosexuellen, ehemals politisch Verfolgte wollten auch nach der Befreiung lange keine Gemeinsamkeit mit ihren homosexuellen Leidensgenossen. So erteilte das Comité International de Dachau ebenfalls erst im Jahr 1995 eine Genehmigung für die Anbringung einer Gedenktafel zur Erinnerung an homosexuelle Opfer in den Räumen der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Barbara Distel

Siehe: Albert Knoll, Totgeschlagen – Totgeschwiegen Die homosexuellen Häftlinge im Konzentrationslager Dachau
In: Dachauer Hefte. Studien und Dokumente zur Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager 14. Jahrgang 1998
Heft 14, Verfolgung als Gruppenschicksal, S.77 -102.

Siehe: Albert Knoll Der Rosa-Winkel-Gedenkstein.Der Rosa-Winkel-Gedenkstein.(link nach unser Shop)
Die Erinnerung an die Homosexuellen im KZ Dachau.