Mai 5 2019 - Begrüßungsrede von Jean SAMUEL

 

Jean Samuel 2019

 

 

 

 

" Geben wir aber die Hoffnung nicht auf: wir sehen, dass die Generation unserer Kinder und Enkelkinder die Werte verteidigt, für die wir gekämpft haben."

 

 

 

 

 

 

 

Begrüßungsrede von Jean SAMUEL

Jean Samuel 2019B

 

Liebe Kameraden, liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind heute hier, um den 74sten Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau zu begehen. Im Namen des Comité International de Dachau, bei welchem ich lange der Generalsekretär war, heiße ich Sie herzlich willkommen.
Mein Freund Abba Naor ist zurzeit leider verhindert, wird aber im Juni wieder hierher kommen. Er hat mich gebeten, ihn zu vertreten, um Sie zu begrüßen.
Wir, die ehemaligen Häftlinge, die noch da sind, können sagen, dass wir Glück gehabt haben: Glück, unsere Geschichte noch erzählen zu können.
Meine Geschichte beginnt mit dem Transport von Compiègne nach Dachau am 2. Juli 1944, dem sogenannten „Train de la Mort“. Von den 100 Kameraden in meinem Zugwaggon, die aus Frankreich wegen ihres Widerstandes deportiert und 3 Tage lang bei starker Hitze zusammengepfercht wurden, bin ich einer der 37 Überlebenden.
Während unserer Zeit in Dachau und den Lagern in Neckar mussten wir viele Zwänge und Freiheitsberaubungen erdulden: Zwangsarbeit, Hunger, Schikanen. Mit der Befreiung hofften wir, diese Demütigungen nicht mehr erleiden zu müssen.
Uns liegt die Freiheit, die uns geraubt wurde, sehr am Herzen, und auch der Schutz des Menschen vor jeglicher Unterdrückung und jeglichem Zwang.
Wir müssen wachsam sein.
Derzeit ist in Europa eine Vernachlässigung und eine Gefährdung spürbar, die die Gedanken- und Meinungsfreiheit gefährden könnte.
Wir erleben auch, wie antisemitische und nationalistische Bewegungen wieder auftauchen.
Geben wir aber die Hoffnung nicht auf: wir sehen, dass die Generation unserer Kinder und Enkelkinder die Werte verteidigt, für die wir gekämpft haben.
Ich danke Ihnen.

 

Biographie von Jean Samuel