Zu der heutigen Gedenkveranstaltung anläßlich des 65. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau möchte ich Sie ganz herzlich begrüßen. Sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich zunächst das Protokoll verlasse. Ganz besonders herzlich willkommen heißen möchte ich Sie, die Überlebenden, die Sie die Strapazen einer beschwerlichen Reise auf sich genommen haben und an den früheren Ort von Terror und Leid zurückgekehrt sind, um – gemeinsam mit uns – zu gedenken. Viele haben schweren Herzens absagen müssen, weil sie sich gesundheitlich nicht mehr in der Lage fühlten, zu kommen. Ein herzliches Willkommen den Familien der Zeitzeugen, für die diese Reise ebenfalls mit schweren Erinnerungen verbunden sein mag. Viele sehen in dem Besuch eine Verpflichtung, das Vermächtnis ihrer Eltern an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Ich freue mich sehr, daß verschiedene Vertreter der Soldaten, die am 29. April 1945 Tausende kranker und zu Tode erschöpfter Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau befreiten, heute nach Dachau gekommen sind, um den Überlebenden zu begegnen.
Sehr verehrter Herr Bundespräsident, es ist uns eine große Ehre, daß Sie heute dieser Gedenkfeier beiwohnen. Die Überlebenden betrachten Ihren Besuch - es ist der erste Besuch eines Bundespräsidenten in der KZ-Gedenkstätte Dachau - als eine außerordentliche Wertschätzung. Anläßlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus im Januar vergangenen Jahres hatten Sie die Präsidenten der Internationalen Häftlingskomitees der Konzentrationslager empfangen. Daß Sie die bei dieser Gelegenheit ausgesprochene Einladung des Internationalen Dachau Komitees bereits am 65. Jahrestag angenommen haben, freut uns sehr. Verehrter Herr Bundespräsident, liebe Frau Köhler, seien Sie herzlich willkommen.
- Herzlich begrüßen möchte ich auch Frau Gerda Hasselfeldt, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Es freut uns sehr, daß Sie - die Sie uns in der Gedenkstättenarbeit so kontinuierlich unterstützen - heute gekommen sind.
- Ebenso herzlich willkommen heißen möchte ich Frau Ministerialdirektorin Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, die heute den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vertritt. Frau Berggreen-Merkel, wir sind außerordentlich dankbar, daß die KZ-Gedenkstätte Dachau als Erinnerungsort von nationaler Bedeutung nun institutionell gefördert wird, daß damit Land und Bund dauerhaft eine angemessene Gedenkstättenarbeit gewährleisten. Es ist ein wichtiges Zeichen, daß Bund und Freistaat an diesem 65. Jahrestag großzügige Mittel bereit gestellt haben, damit Überlebende aus der ganzen Welt und ehemalige amerikanische Soldaten nach Dachau eingeladen werden konnten.
- Es ist mir eine Freude, den stellvertretenden Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern, Herrn Staatsminister Martin Zeil, die Präsidentin des Bayerischen Landtages Barbara Stamm und den Präsidenten des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, Dr. Karl Huber, heute hier begrüßen zu können.
- Ein herzliches Willkommen auch an Herrn Pieter Dietz De Loos, den Präsidenten des Comité International de Dachau und den Vizepräsidenten des CID Dr. Max Mannheimer, die zu der heutigen Gedenkfeier eingeladen haben.
- Herzlich begrüßen möchte ich alle Vertreter der Religionsgemeinschaften. Ich freue mich sehr, daß die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Frau Charlotte Knobloch, heute gekommen ist, die mit der Gedenkstätte seit vielen Jahren engstens verbunden ist. Herzlich willkommen heißen möchte ich den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinden Bayerns und Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Herrn Dr. Josef Schuster.
- Es freut mich sehr, daß auch Sie, sehr geehrter Herr Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und Sie Herr Schneeberger, Vorsitzender des Landesverbandes heute anwesend sind.
- Ich begrüße auf das Herzlichste den Gesandten der Botschaft des Staates Israel, Emmanuel Nahson, außerdem die Repräsentanten des diplomatischen und konsularischen Korps, an der Spitze Frau Generalkonsulin Elzbieta Sobótka, der ich an dieser Stelle mein Mitgefühl ausdrücken möchte für den großen Verlust, den Ihr Land vor kurzem erlitten hat.
- Herzlich begrüße ich den Präsidenten der Regierung von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, die Vertreter der Kommunen, insbesondere den Landrat des Landkreises Dachau, Hans Jörg Christmann und den Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Dachau Peter Bürgel.
- Ein herzliches Willkommen an die Mitglieder des Bundestages und des Landtages, die Vertreter der politischen Parteien und Gewerkschaften.
Meine Damen und Herren, viele Überlebende, die mit ihren Delegationen die Gedenkstätte besuchen, fragen in diesen Tagen, "was passiert mit unserer Überlieferung, mit unseren Zeugnissen der hier begangenen Verbrechen, wenn wir nicht mehr berichten können?". Ihnen kann ich versichern, daß wir es als wichtigste Aufgabe betrachten, das lebendige Gedächtnis an diesem Ort zu bewahren und durch die pädagogische und wissenschaftliche Arbeit an die junge Generation weiterzugeben. Der im Vermächtnis der Überlebenden für die authentischen Orte formulierte Auftrag, die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen weiterzuführen, nehmen wir ernst. Gleichzeitig erwächst aus unserer kollektiven Verantwortung die Verpflichtung, stets für die unbedingte Würde des Menschen einzutreten und einen Wertekanon zu vermitteln, der von dem Geist des Zusammenhalts der Häftlinge geprägt sein sollte.