Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Freunde, gestatten Sie mir anläßlich des sechsundfünfzigjährigen Gedächtnistages der Befreiung des KZ Dachau einige Worte zu sagen.
Einer der ersten Häftlinge im KZ-Dachau war auch der bedeutende tschechische Künstler, Maler, Schriftsteller, Fotograf, Grafiker, Buchillustrator, Kunstkritiker und Übersetzer Josef Χapek, dessen Kunst die ganze kulturelle Welt würdigt. Die Welt verdankt ihm, das Wort ROBOT. Josef Χapek wurde am 9. September 1939 nach Dachau deportiert, danach folgten Buchenwald, Sachsenhausen und Bergen-Belsen, wo er ganz am Ende des Kriegs an Entkräftung starb.
Zur Erinnerung an diesen Künstler erlaube ich mir an die Gedenkstätte Dachau den Katalog seiner Werke aus der Ausstellung seines lebenslangen künstlerischen Schaffens in Prag im Zeitraum 2009-2010 zu widmen. Eine kleine Bemerkung: Josef Χapek war der Bruder des ebenfalls weltweit anerkannten Schriftstellers, Dramatikers, Journalisten und Übersetzers Karel Χapek. Davon, wie diese beiden Brüder dem antretenden Faschismus im Wege standen, zeugt die Tatsache, daß Josef Χapek am 15. März, dem ersten Tag der Okkupation der Tschechoslowakei, von der Gestapo verhaftet wurde. Karel Χapek lebte nicht mehr, er starb am 25. Dezember 1938. So entging er dem Leiden seines Bruders.
Das KZ Dachau wurde am 29. April 1945 durch die amerikanische Armee befreit. Nach der Zwangsquarantäne kehrten die ehemaligen Häftlinge nach Hause, also in die Tschechoslowakei. In vielen Fällen wußten sie nicht, ob sie ihre nahe Verwandten noch sehen werden und diese wußten über das Schicksal ihrer Nächsten auch nichts. Als Hilfe für beide Parteien begann am 30. Mai 1945 unter der Ägide der Regierung die Herausgabe des Bulletins „Dienst an die Rückkehrer“. Die einzige komplette Zusammenstellung dieses Materials befindet sich in der Nationalbibliothek in Prag. Ich habe für Kopien dieses Bulletins bezüglich des KZ Dachau und der Nebenkonzentrationslager gesorgt. Gestatten Sie mir, diese Kopien auch der Gedenkstätte zu widmen.
Zum Schluß möchte ich gern einen herzlichen Gruß von meinem Freund übergeben, dem ehemaligen Häftling einiger KZ, beginnend mit Theresienstadt, Auschwitz, der gegen Kriegsende von der nazistischen Maschinerie nach Dachau geschickt wurde, aber nie dorthin angekommen war. Er flüchtete nämlich im April 1945 aus dem Todestransport aus Buchenwald nach Dachau. Er schlug sich bis Prag durch, wo er an dem Prager Aufstand teilnahm und wo der 2. Weltkrieg endete. Herzliche Grüße von Arnoσt Lustig, dem tschechischen Schriftsteller.